Druckschrift 
11 (1848) Titan : zweiter und dritter Band
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Gatten - rührte denn das nicht jedes Herz allmächtig an,daß es weinend seine Sehnsucht bekennen wollte? Und dasweichste, das jetzt unter den Sternen schlug, hätte vermocht,den Schleier ganz über sich zu ziehen? Beinahe! Sic hatt'es vor der Mutter gewohnt, die Thränc, eh' sie wuchs, so zusagen mit dem Auge abzutrocknen.

Sonderbar erschien sic in der nächsten Minute dem Gra-fen. Die Mutter sprach mit dem Sohn. Liane stand, fernvon jenem, mit halbverwandtem, vom Monde ein wenig ent-färbtem Gesicht neben einer weißen Statue der heil. Jungfrauund blickte in die Nacht. Auf einmal schauete und lächelte siean, gleichsam als erschien' ihr ein lebendiges Wesen im Acther-Abgrund, und die Lippe wollte reden. Erhabner und rühren-der war ihm noch keine Erdcngestalt begegnet; das Geländer,in das er griff, ging hin und her (aber er selber regte es),und seine ganze Seele rief: heute, jetzt lieb' ich die Himm-lische am höchsten, am innigsten. So sagt' er neulich auch,und so wird er öfter sagen; kann der Mensch mit den unzäh-ligen Wogen der Liebe Höhcnmcssungen anstelle» und aufdiejenige zeigen, die am meisten stieg? So glaubt derMensch stets, wo er auch stehe, in der Mitte des Himmels zustehen.

Ach in dieser Minute wurd' er wieder überrascht, abereben mit einem Ach. Liane ging zur Mutter, und als sie ander Hand der Gefälligen ein kleines Schaudern fühlte, drangsie in sie, aus der Nachtluft zu gehen, und gab nicht eher nach,als bis sie mit ihr die Zanberstätte verließ.

Die Freunde blieben zurück. Nach Albano's Rechnungwär' es freilich nicht zu viel gewesen, hätte man sich in dieseroffenherzigen Zeit, worin unsere heiligem vom gemeinen Tage