Freundschaft hat ihre Täuschungen wie die Liebe — und oftwenn er diesen licbcstruukcnen hochherzigen Jüngling mit keu-schcn Madchcnwangcn und stolzer Männerstirn, der ein solchesVertrauen auf seine wankende Seele setzte, und dessen Herz soweit offen stand, und an dessen Phantasie sogar er die Heilig-keit beneidete, laug anblicktc: so rührte ihn die Täuschung desEdcln bis zum Schmerz, und sein Herz drängte sich vor undwollte ihm mit Thräncn sagen: Albano, ich bin deiner nichtwcrth. Aber dann verlier' ich ihn, setzt' er allemal hinzu;denn er scheuete die moralische Orthodoxie und die Entschie-denheit eines Mannes, der nicht wie ein Mädchen spielend zuerzürnen und wieder zu gewinnen war.
Und doch kam der wichtige Tag für beide, wo er's that.Wie hätt' er je der Phantasie widerstanden, da er nur durchPhantasie widerstand? — Ich thu' ihm halb Unrecht; höretden bessern Engel, der seinen Mund aufschloß.
Noquairol ist ein Kind und Opfer dcö Jahrhunderts.Wie die vornehmen Jünglinge unserer Zeit so früh und soreich mit den Rosen der Freude übcrlaubt werden, daß sie wiedie Gewürz-Insulaner den Geruch verlieren und nun die Rosenzum Sybaritcn - Polster Unterbetten, Roscnsyrup trinken undin Rosenöl sich baden, bis ihnen davon nichts zum Reiz mehrdasteht als die Dornen: so werden die meisten — und oft die-selben — von ihren philanthropischen Lehrern anfangs mit denFrüchten der Erkenntnis; vollgefüttcrt, daß sic bald nur diehonigdickcn Extrakte begehren, dann den Apscl-Wcin und Birn-most davon, bis sie sich endlich mit den gebrannten Wasserndaraus zersetzen. Haben sie noch dazu wie Noquairol einePhantasie, die ihr Leben zu einem Naphtabodcn macht, auswelchem jeder Fußtritt Feuer zieht: so wird die Flamme, wor-