Druckschrift 
13 (1848) Flegeljahre : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
266
Einzelbild herunterladen
 

gen, der Sonne und der Einsamkeit denn horchende Bauernsind nur stille Blumen und Vögel in einem Hain ein gan-zes leidendes Herz mit Tönen auseinander gcthan. Sie weintesogar, aber saust; und da sie sich allein glaubte, trocknete siedie Tropfen nicht ab. Sollte der edle Klothar, dacht' ich, seineBraut in dunkle Farben kleiden, weil sie eine tsills llns ge-ben? Das schwerlich!

Endlich sah sie mich, aber ohne zu erschrecken, weil derblinde Konzertist, wofür sie mich noch halten mußte, ja ihrnasses Auge und Angesicht nicht kennen konnte. Sie, dieUnwissende, sah sich nach meinem Führer um-, indeß sieleise ihr Busenlied ertönen ließ. Bekümmert um den hülflosenBlinden, ging sie langsam ans mich zu, begann ein fremdesfrohes Lied, um sich mir unter Singen so zu nähern, daßich nicht zusammen führe, wenn man mich plötzlich anredcte.Ganz nahe an mir unter den heitersten Tönen floß ihr Augeheftig über aus Mitleid, und sie könnt' cs nicht eilig genuglichten, weil sie mich anschaucn wollte. Wahrlich ein gutesGeschöpf, und ich wollt', es wäre keine Braut oder eineFrau! Wie ein Roscnblatt blühten, zumal vor der Abend-sonne, alle ihre wohlwollenden Gefühle auf dem kindlichen Ge-sicht; und bedenk' ich die zarten schwarzen Bogen der schön-sten schwarzen Augen, so hatt' ich Augenlust und Augenbrau-nenlust zugleich und genug. Aber wie kann ein Mann zueiner Schönheit sagen: heirathe mich 'meines Orts, da jadurch die Ehe, wie durch Eva, das ganze Paradies mit allen4 Flüssen verloren geht, ausgenommen den Paradiesvogeldaraus, der schlafend fliegt. Eine schöne Stimme aber zuehelichen durch Ehepakten das ist Vernunft; außerdem,daß sie, wie die Singvögel, immer wieder zurückkehrt das