Druckschrift 
13 (1848) Flegeljahre : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

206

jcde zur Venus, ja mit dem Kopse sogar konnte jede sich füreine Grazie halten, aber in doppelten Spiegeln. Gelehrte ken-nen keine Schönheiten, als phyflognomische; Walt war majo-renn geworden, ohne zu wissen, daß er zwei Backenbärte habe,oder andere Leute Taillen, schöne Finger, häßliche Fingeru. s. w.Wahrhaftig, antwortete der Notar dem Elsässer,ich wollte wol einer Häßlichen ohne allen Gewissensbiß dieschöne Taille ins Gesicht sagen und loben, um die Arme da-mit bekannt und darauf stolz zu machen." Wenn Flittc etwasgar nicht begriff, so fragte er nichts darnach, sondern sagteschnell Ja. Walt heftete jetzt in Einem fort recht sichtbar dieAngen auf Naphaclens Taille, um sie damit bekannt zumachen. Die Blonde schielte von seinen Blicken zurück undsuchte sich tugendhaft zu beunruhigen über die Frechheit desjungen Harnisch.

Wer mir lieber, Herr? Die Blonde oder Braune?(sagte der Hofagcnt vom Weine lustig) Auf jeden Fall dieBlonde, sag' ich; denn sie kostet vierteljährlich der Kassa zwölfGroschen weniger. Für 3 Thl. 12 Gr. gutes Geld verkauftder Mundkoch Loullon in Weimar seine Flasche rothenSchminkcssig (vinaiZro cks rougs) notn dens für Blonde;für Braune hingegen jede um netto 4 Thl.; hat sie vollendsschwarzes Haar, so muß ich gar die Flasche zu 4 Thl. 12 Gr.verschreiben. Raphel! Du sollst leben!" Liier xere ver-setzte sie, nennen Sie mich doch nur Raphaela.Er ver-dicnt's (dachte Walt, betroffen über Neupcters Unschicklich-keit), daß sie sagte: Scheer-Bär?" Denn so hatt' er ver-standen.

Heute gibt der arme blinde Baron sein Flöten-Konzert,sagte schnell Raphaela; ach! ich weiß noch, wie ich über Dülon