200
waaren und französischen Uhren, so daß vom KirchenrathGlanz an bis zu netten Reisedicncrn und ernsten Buchhalternsich alles mischen mußte. Der große Kaufmann sucht weiterin keine höchste Klasse zu kommen als in die der Gläubiger,wenn seine hohen Schuldner salliren. Er als kalter stillerJustirer des Verdienstes schätzt gleich sehr den niedrigsten Bür-ger, wenn er Geld hat, und den höchsten Adel, wenn dessenaltes Blut in silbernen und goldncn Adern läuft und dessenStammbaum Nahrungs - und Handelszweige treibt. Frei-lich — so wie dem Pater Hardouin die Münzen der Altenmehr historische Glaubwürdigkeit hatten, als alles Schriftlichederselben -— so kann der abwägcnde Kaufmann Adels-Perga-ment und sonstige Ehren-Punktirkuust nie so hoch stellen, alsdessen Münzen, insofern er von fremder Zuverlässigkeit spre-chen soll.
Schon die Anfurth des Ehrentages fand der Notar viellustiger und leichter, als er nur hoffen wollen; denn er be-merkte bald, dass er nicht bemerkt wurde, sondern sich auf je-den Scideustnhl setzen konnte, und ihn zum Weberstuhl seinerTräume machen. Noch hatte er nichts vom Grafen, noch vomWiegenfest und den beiden Töchtern gesehen — als endlichKlothar, der Eßkönig, zu seiner Freude blühend hereintrat,obwol in Stiefeln und Uebcrrock, als Hab' er sich mehr aufparlamentarische Woll-Säcke zu setzen als auf seidne Agenten-Stühle. „Hr. Hofagent, sagt' er, ohne die Versammlung zuprüfen, wenn Sie wollen, mich hungert verdammt." DerHofagcnt befahl Suppe und Töchter; denn er schätzte denGrafen längst und inuigst, weil er als der Agioteur von des-sen Renten am besten wußte, wie viel er war, besonders ihmselber; und er behauptete oft, einem Manne von so vielen