180
Win'gen, Wim, Mine, München, erfaßte den Notar eben sosehr, als wenn er an — Aurikcln roch, ans deren Duft-Wolkcn er sich so lange in neue ausländische Welten ver-schwamm, bis er entdeckte, daß er nur die frühesten seinesLebens thauig ausgcbrcitct sehe. Und die Ursache war cbmEine. In seiner Kindheit war nämlich, da er an den Blat-tern blind da lag, ein Fräulein Wina, die die Tochter desGeneral Zablocki, dem das halbe Dorf oder die sogenanntenLinken gehörten, mit der Mutter zum Schultheiß gekommen.In der Familie hatte sich erhalten, daß das kleine Mädchengesagt, der arme Kleine sei ja sehr todt, und sic woll' ihmalle ihre Aurikcln geben, weil sie ihm keine Hand geben dürfte.Der Notar bcthmerte, daß er sich cs noch klar und süß er-innere, wie ihn Blinden der Aurikcln-Geruch durchdrungenund ordentlich berauscht und ansgelöftt habe, und wie er einpeinliches Schmachten gefühlt, nur eine Fingerspitze des Kin-des, dessen süßes Stimmchcn ihm fern, fern herznkommmschien, anzurühren; und wie er die kühlen Blumenblätter anseinen heißen Lippen todtgedrückt. Diese Blumen-Geschichtemußt' ihm, erzählt' er, in der Krankheit und nachher in derGesundheit nnzähligcmale erzählt werden, er habe aber Winanie ans seiner Kindheits-Dämmerung gelassen und sie späternie angesehen, weil er cs für Sünde gegen dieses für dasTageslicht ordentlich zu heilige zarte Wesen gehalten. Wennansehnliche Dichter ihre Arme und Flügel znsammmstcllm,um wie ans einem Minervms-Schilde eine Schönheit emporzu heben durch Wolken hindurch, über schwache Monde, mit-ten unter die Nacht-Sonnen hinein: so hob doch Walt dieungesehene süß sprechende Wina viel höher, nämlich in dasdunkle tiefste Sternmblau, wo das Höchste und das Schönste