Druckschrift 
13 (1848) Flegeljahre : erstes und zweites Bändchen
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

No. 16 . B e r g g u h r.

Sonntag eines Dichters.

Walt setzte sich schon im Bette auf, als die Spitzen derAbendbergc und der Thürme dunkelroth vor der frühen Juli-Sonne standen, und verrichtete sein Morgengebct, worin erGott für seine Zukunft dankte. Die Welt war noch leise, anden Gebirgen verlief das Nachtmeer still, ferne Entzückungenoder Paradiesvögel flogen stumm auf den Sonntag zu. Walthätte sich gefürchtet, seine namenlose Wonne laut zu machen,wenn's nicht vor Gott gewesen wäre. Er begann nun denDoppelroman. Es ist bekannt genug, daß unter allen Kapi-teln keine seliger geschrieben werden (auch oft gelesen) als daserste und dann das letzte, gleichsam auch ein Sonntag undein Sonnabend. Besonders erfrischt' es ihn, daß er nun ein-mal ohne allen juristischen Gewisscnsbiß auf dem Parnaßspazieren gehen durfte, und oben mit einer Muse spielen; in-dem er, hofft' er, gestern im juristischen Fache das Seinigegearbeitet, nämlich das Testament vernommen und erwogen.Da den Abend vorher war ausgemacht worden, daß der Helddes Doppelromans einen langen Band hindurch sich nach nichtssehnen sollte, als nach einem Freunde, nicht nach einer Heldin:so ließ er ihn es zwei Stunden, oder im Buche selber so viele