ganz dämmernd im Tempel; nur zwei Altarkerzen werfenwunderbare lange Schatten umher durch die Kirche; der obenherabhängende Tanfcngcl belebt sich ordentlich und fliegt bei-nahe; draußen scheinen die Sterne oder der Mond herein —der feurige Pfarrer oben im Finstern auf seiner Kanzel be-kümmert sich nun um nichts, sondern donnert aus der Nachtherab, mit Thräncn und Stürmen, von Welten und Himmelnund allem, was Brust und Herz gewaltig bewegt.
Kommt er flammend herunter: so kann er um 4 Uhrvielleicht schon unter einem am Himmel wallenden Nordscheinspazieren gehen, der für ihn gewiß eine aus dem ewigen Süd-morgcn herüberschlagende Aurora ist, oder ein Wald ans hei-ligen feurigen Mofis Büschen um Gottes Thron.
Jst's ein anderer Nachmittag, so fahren Gäste mit er-wachsenen Töchtern von Betragen an; wie die große Welt,dinirt er mit ihnen bei Sonnenuntergang um 2 Uhr, undtrinkt den Kaffee bei Mondschein; das ganze Pfarrhaus istein dämmernder Zauberpallast. — Oder er geht auch hinüberzum Schulmeister in die Nachmittagsschule, und hat alle Kin-der seiner Pfarrkinder gleichsam als Enkel bei Licht um seinGroßvater-Knie, und ergötzet und belehret sie. —
Ist aber das alles nicht: so kann er ja schon von dreiUhr an in der warmen Dämmerung durch den starken Mond-schein in der Stube auf und ab waten und etwas Orangen-zucker dazu beißen, um das schöne Welschland mit seinenGärten auf die Zunge und vor alle Sinne zu bekommen.Kann er nicht bei dem Monde denken, daß dieselbe Silber-scheibe jetzt in Italien zwischen Lorbeerbäumen hange? Kanner nicht erwägen, daß die Aeolsharfe und die Lerche und dieganze Musik und die Sterne und die Kinder in heißen und