Wie abenteuerlich zieht sich die Katakombe fort! Der langeTodtensluß murmelt verfinstert tief hinein und blitzt zuweilenunter dem silbernen Dampfe, den das Mondlicht durch dieSchachtlöcher hcrcintreibt — feste Thiere, Pferde, Hunde,Vögel stehen saufend am finstern Ufer, nämlich ihre ausge-polsterten Häute — schmale von der Zeit geschleifte Leichen-stcine mit wenigen Namen und Gliedern sind das Pflaster —an einer Hellern Nische liefet man, daß hier eine Nonne'ein-gemauert gewesen — in einer andern steht das vererzte Skeleteines verschütteten Bergmanns mit vergoldeten Rippen undSchenkeln — an zerstrcneten Orten waren schwarze Papier-herzen arquebusirter Menschen und Blumcnsträußcr armerSünder gesammelt, die Ruthe, die einen Begnadigten durchBestreifen getödtct, eine gläserne Büste mit einem Phosphor-punkte im Wasser, Westcrhemdchen und andre Kinder-Kleider
und Spielwaaren und ein Zwergskelet —-
Als ihm Roquairols erklärende Worte, dessen Lebenswegimmer in Grüfte hinab- und ans Gräber hinauslief, das Lebenimmer durchsichtiger und flitterhafter schlugen: so fuhr Zesaranach seiner Art auf einmal kopfschüttelnd, die Brust vorhebend, inden Sand cinstampfcnd und fluchend (was er leicht im Erschreckenund in großer Rührung that) mit den Worten auf: „beim„Teufel! — Du zerdrückst mir und dir die Brust. Es ist ja„nicht so! Sind wir nicht beisammen? Hab' ich nicht deine„warme lebendige Hand? Brennt in uns nicht das Feuer„der Unsterblichkeit? Ausgebrannte Kohlen sind diese Gebeine„und weiter nichts; und das himmlische Feuer, das sie zer-legte, hat wieder andres Brennholz ergriffen und lodert„fort." -— „O" (setzt' er wie getröstet dazu und trat in denBach und blickte durch die Schacht-Oeffnung zum reichen Monde
Jean Nanvs ausgew. Werle. X. 21