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10 (1848) Titan : erster Band
Entstehung
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Der Kleine lief die Treppe hinauf, wieder herab, blieblange vor der Thüre und kam herein mit Lianen an derHand, die weiß gekleidet und schwarz verschleiert war. Siesah ein wenig betroffen umher, als sie mit beiden Händen denSchleier von ihrem freundlichen Gesichte zurückhob, hörte aberCharitons Wiegenlied. Sie kannt' ihn nicht, bis er sprach;und hier erröthctc ihr ganzes schönes Wesen wie eine beleuch-tete Landschaft nach dem Abendregen; sic habe die Freude,sagte sie, seinen Vater zu kennen. Wahrscheinlich kannte sieden Sohn durch Juliennens und Augusti's Malereien nochbesser und von verwandtem Seiten; auch bewegte sich gewißihr schwesterliches Herz von seiner Brudcrstimmc; denn derReiz und sogar Vorzug der Aehnlichkeit und Kopie ist so groß,daß sogar einer, der einem gleichgültigen Wesen ähnlich sieht,uns lieber wird, wie das Echo eines leeren Nuss, blos weilhier wie in der nachahmendcn Kunst die Vergangenheit undAbwesenheit eine durch die Phantasie durchscheinende Gegen-wart wird.

Das immer leisere Einfliegen der Mutter sagte das tie-fere Einschlummern des Säuglings an, und endlich verstummtedas ckiiniiEliäo, und Chariton lief mit blitzenden Augen derHand Lianens zu. Eine heitere offne Freundschaft blühtezwischen den unschuldigen Herzen und verstrickte sie wie derWein die nahen Pappeln. Chariton erzählte ihr Albano'SErzählung mit der Voraussetzung der innigsten Thcilnahme;Liane hörte gespannt - aufmerkcnd der Freundin zu; aber daswar ja so viel, als blicke sie die nahe historische Quelle selber an.