Druckschrift 
10 (1848) Titan : erster Band
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

Sie zeichnete gerade den Gypsabguß eines schönen altenKopfs, der dem Grasen gleichsam aus dem Antikenkabinct sei-ner Erinnerung geholt zu sehn schien, und dem sein wallendesHerz recht liebend cntgegcnfloß; aber er entsann sich des Ur-bilds nicht. Endlich sagte Julienne, die Etiqnette ver-schmähend, recht gutmüthig und aufblickend:ach, lieber Au-gusti, mein Vater ist verschieden in Lilar." Das WortLilar kolorirte Plötzlich in Albano das bleiche Gcdächtnisibild völlig wie diese blasse Büste sah im Mondscheine der alteMann ans, der in jener dichterischen Sommernacht ZesarensHände auf dem Berge zum Gebet zusammcnlegte und sagte:gehe schlafen, lieber Sohn, eh' das Gewitter kommt. Einandrer hätte sich nun nach dem Namen der Büste erkundigtund erst dann die nächtliche Historie entdeckt; aber der Grafthat im Feuer blos das letztere, nach 'einem kurzen Wartenauf das Auslaufen des Gesprächs. Augusti wollte ihn, alser die ihm fremde Geschichte der Bekanntschaft mit dem Urbildeanhob, sorgend unterbrechen; aber Julienne gab ihm einenWink, ihn zu lassen; und der Jüngling theilte treuherzig derthcilnchmenden Seele das schöne Zusammenkommen gerührtund brennend mit, und wurde beides noch mehr, als ihreAngen Überflüssen in ihr Lächeln.Es war mein Vater,das ist sein Abguß!" sagte Julienne weinend und freudig;Albano schlug, nach seiner Art, mit seufzender Brust die Händevor der Büste zusammen und sagte:du edle herzlich geliebteGestalt!" und sein großes Auge schimmerte von Liebe undTrauer.

Die gute weibliche Seele wurde von einer so unhöflschcnTheilnahme fortgcriffcn und sie überließ sich ganz ihrem an-gebornen Feuer. Das weibliche und das höfische Leben ist