182
zwar nur die längere Strafe des Gewehrtragcns— Ober-hofmcistcrinncn sind, wie es nach dem Modelle der JaherrenNeinhcrrcn gibt, wahre Ncinfrauen — die sicbenfarbige Lko-karde der heitern tanzenden Freiheit wird da abgerissen oderlaust schwarz an non der Hoftrauer — jeder weibliche Lust-hain ist ein unhciliger — fataleres kenn' ich nichts-
aber die kraushaarige Julienne brach, mir nichts dir nichts,durch das ewige Gcfängnist bei süßem Brode und gebranntemWasser des Tages wol ILmal hinaus und lachte den freienHimmel an und beleidigte (— sich und andere nie —) dieOberhofmcistcrin stets. Sie erzählte nun dem Grasen (indemsic ans Nervenschwäche und Lebhaftigkeit immer stärker lächelteund schneller sprach), wie ihr lieber schwacher, mehr kindlicherals kindischer Vater, dessen alten Lippen und entkräfteten Ge-danken nur noch nachgclallte Gebete möglich waren, sich miteinem eisgrauen mystischen Hofpredigcr in Lilar ins Bctzim-mer cingcschlossen (ein graues Haupt verbirgt sich gern, eh'cs verschwindet, und sucht wie Vögel einen dunkeln Ort zumEntschlafen) — und wie sie und das Fräulein von Froulay(Liane) dem halbblinden Manne abwechselnd Gebete vorgelescnund gleichsam die Abendglockc der Andacht vor dem müdenschlaftrunknen Leben ungezogen. Sie malte, wie er indiesem Vorhose der Gruft alles Geliebte überlebt oder verges-sen habe, wie er immer nach ihrer Mutter gefragt, deren Ster-ben ihm stets von neuem entfallen, und wie das verdunkelteAuge jede Tageszeit für einen Abend und daher jeden Fort-gehcndcn für einen, der schlafen gehen wolle, genommen habe.
Wir wollen nicht zu lange auf diese späte Zeit des Le-bens blicken, wo sich die Menschen wieder als Kinder für dielängere Wiege des Grabes verkürzen; und wo sie gleich den