45
„Es wäre gut, wenn du dm Münster gewännest und da-durch die Kenntnisse des Rcgierungs- und Kammerwcsens,„die er dir geben kann; denn in dem Abrisse Eines Landes, so„wie Eines Hofes, besitzest du die Grundzüge eines jeden grö-„ßern, wozu du auch gelangen und dich bilden sollst. Es ist„mein Wunsch, daß du sogar dem Fürsten und dem Hose lieb„wirst, weniger weil dn Konnexionen, als weil du Erfahrungen„brauchst. Nur durch Menschen besiegt und übersteigt man„Menschen, nicht durch Bücher und Vorzüge. Man muß nicht„seinen Werth anslcgcn, um die Menschen zu gewinnen, son-dern man muß sie gewinnen, und dann erst jenen zeigen.„Unglück ist nichts wie Unverstand, und nicht sowol durch„Tugend als durch Verstand wird man furchtbar und glück-lich. — Du hast höchstens die Menschen zu fliehen, die dir„zu ähnlich sind, besonders die adeln."— Das ätzende Su-blimat seines Spottes bestand hier nicht darin, daß er „ädel"mit einem akzentuirten ironischen Tone sagte, sondern daß cr'swider Erwarten kalt ohne einen sagte. Albano's Hand warin seiner schon längst vom Herzen an der stählernen ecki-gen Ordcnskette hcrabgcglittcn aus das goldnc mctalüsch-kalte Lamm daran. Der Jüngling hatte, wie alle Jünglingeund Einsiedler, zu harte Begriffe von Hof- und Wcltleutcn,er hielt sie für ausgemachte Basilisken und Drachen — wic-wol ich das noch entschuldigen will, wenn er nur mit den Na-tnrforschcn unter den Basilisken nichts versteht als nngeflü-gclte Eidcxcn, und unter den Drachen nichts als geflügelte,so daß er sic für nichts als für kalte fast so fatale Amphibien,wic Linnce solche definirt, ansicht; — ferner hegt' er (so leichtwird Plutarch der Verführer von Jünglingen, deren Biographer hätte sehn können wie ich) mehr Grimm als Achtung gegen