348
Mittwochs, den 17tcn, stand sie vor dem Revolnziontri-bnnal. Was sie davor und überall bisher sagte, würde auseinem andern Munde wie erhabene Sprüche klingen; aber werim Großen einmal lebt, der zeigt unbewußt und unangestrengtnichts als seine Erhöhung, und er bewohnt blos die Ebeneauf einem Gebirge. Wenn indeß die so sanfte Gestalt demAlba's Blntrathc so schneidend und strafend antwortete: sodenke man daran, daß kein edler Mann weniger thnn könnte,der nun die aufgeblasenen, befleckten Richter so vieler unbe-fleckten Seelen ans einmal vor sich sähe; Leute, der König-schlangc gleich, die sich mit ihren Ringen in Gestalt einestränkenden Brunnens aufmancrt, um die Thiere anznlocken,und dann erquetschcnd zu umwickeln.
Corday's Leben hatte nur noch eine freie Minute, undin dieser gab sic auf lauter schlechte Fragen diese Antworten:„Alle Rechtschaffne sind meine Mitschuldigen. — Die Fran-zosen haben nicht Kraft genug, um Republikaner zu sehn." *)— Und nach einer Verwechslung **) ihrer mit einer andernFrau, die den Fleischer Legendre sprechen wollen, versetzte sic:„Ihr begreift doch, daß man nicht zwei solche Thatcn aus ein-mal verrichtet, und mit Marat mußte man beginnen."
Sie empfing ihr Todcsurthcil vom Richter so heiter, alssie es einen Monat früher über sich selber ausgesprochenhatte. Sic dankte ihrem Vertheidigcr, dem Bürger Chauveau,für seine muthigc Verthcidignng, und sagte, sie könn' ihn nichtbelohnen, bitt' ihn aber, als ein Zeichen ihrer Achtung, den
*) Nonitenr I. o.
**) Denn Freitags vorher hatte eine Unbekannte diesen Volkmör-der mit Heftigkeit zu sprechen gesucht.