339
„O wenn man doch, sagte der Graf, in jene tiefe Stundetiefer schauen könnte, wo die Heldin zu sich sagte: „mein Le-„dcn sei vorüber, alle heiteren Aussichten verschlinge die ein-zige; Verzicht sei gcthan ans alles Geliebte und Erfreuende,„aus Vater, auf Freunde und Kinder, auf irdische Zukunft und„auf alles, was um mich her die Menschen beglückt; gebt mir„die Todcsfackel statt der Brautfackel; und die Todesgöttiu„drücke als Blumcugöttiu das feste schwarze Siegel ans mein„Nosenlcbcn!" — Es ist bekannt, daß die Heldin darauf einenganzen Monat laug ihren großen Vorsatz schweigend in derBrust bewahrte. Aber wie leicht und klein mußten ihr in die-ser Zeit die Spiele und Plagen des Lebens erscheinen, wie freiihr Herz, wie rein jede Tugend, wie klar jede Ansicht! Siestand jetzt ans dem höchsten Gebirge, und sah die Wetterwolkennur ans der Tiefe, nicht ans der Höhe kommen, und sich vonihnen kaum verhüllt und benetzt, indeß die Andern, die tiefenMenschen ans -cm Boden, ängstlich nach dem Gcwölkc auf-blicktcn und ans dessen Schlag harrten. — Der edle Krieger,der handelnde Republikaner, der gottbcgcistcrtc Mensch, sie ha-ben diese hohe Stellung, die sic so sehr für alles häuslicheEinnistcn in bequeme, warme Freuden entschädigt und erkältet."
Den 7. Juli reifete sie nach Paris ab, nachdem sic ihremVater, um Einvcrwickclung und Vaterängste abznwcndcn, ge-schrieben, Laß sie vor dem harten Anblicke des Bürgerkriegsnach England entweiche. Schweigend, ohne einen Nathgcbcr,ohne eine theilnchmende oder stärkende Seele, schied Las 25jährigcMädchen von allen geliebten Wesen, und trat in der beißenJahreszeit die lange Reise zum Altäre an, wo cs bluten wollte.„Ich befand mich, schreibt sie an Barbaroux, in der Postkutschein Gesellschaft guter Bergbewohner, die ich ganz nach ihrem
22 *