330
die folgerechte Sittenlehre sich cingräuzt —; aber dieß Höhereist in einer Unendlichkeit von Reizen nnd Bestimmungen sowenig durch das Sitten-Lineal auszumeffcn, oder gcrad zurichten, als die Raphaelischen und die lebendigen Figuren durchmathematische Figuren."
„Mangel an Glaubcnsmuth, kann man sagen, fuhr derGras fort, nicht etwa Mangel an Wohlwollen, erkältet underschlafft die Menschen, die meisten würden der Gewißheiteines großen schönen Welt-Erfolgs ihr Leben hinopfcrn, dassie ja so oft, bei kleinern Fällen, für eine Unmäßigkeit, Recht-haberei u. s. w. wcggcbcn. Aber dieser Glaubcnsmuth ist ebenentscheidend nnd göttlich, nnd durch nichts zu erstatten. Da,wo Feige ohne Richtung treiben, bestimmt er seiner Welt dieHimmels-Gegend, in welcher, wie man für die Luft-Kugelnvorgcschlagcn, er nur von einem Adler-Gespann gelenkt nndgezogen wird; nnd Flügel sind seine Arme. Mit diesen Flü-geln schlägt eben der Adler die weiche Welt häufig mehr wund,als mit Klanen und Schnabel. O ich möchte in keinem Le-ben lebcn, das kein großer Geist anrührte und dnrchgriffe nndumschiffe; — vor keiner Bühne möcht' ich stehen, wo es nichtsgäbe, als den Chor der Menge, der, wie der theatralische bciden Griechen, blos aus Greisen, Sklaven, Weibern, Soldatennnd Hirten bestand. Welcher Unterschied, an etwas sterben,nnd für etwas sterben! O sie sollen immer hinziehcn unterihre Opferthore, auf ihre Blutgerüste, ans ihre tarpejischcnFelsen, jene großen Seelen über der Erde; schwingt euch kühnaus die schwarzen Flügel des Todcscngcls, sie entglimmen baldfarbig und glänzend, ihr, Sokrates, Leonidas, Morus undselber du, edle Corday, deren unbewegliches Jubelfest einesheiligen Todes der heutige Tag feiere!" —