314
rung — welche ein platter Lcichcnstcin, eine jährlich erneuerteHolzstange mit einem schwarzen Namenbrettchen oben, nnd amEnde eine Schandsäulc auch gewährte; — sie aber darznstellen,dieß vermag nur eben die Kunst, indem sic aus ihrem Himmelder Göttergestaltcn eine sichtbare hernntcrschickt, nnd jene Ge-fühle des Großen in uns entzündet, mit welchen wir die anf-geftogcne, den Gegenstand des Denkmals, im göttlichen Rauscheder Bewunderung verkörpert sehen. Ich stehe vor der Pyra-mide, vor dem Obelisk: wie von einem Liebe- nnd Zanber-trank berückt, schaue ich weit in eine kolossale Welt hinein,nnd darin sehe ich nun eben den Menschen groß nnd glänzendgehen, dessen bloßer Name an dem Denkmale steht. Erhebteinen Säulentempel in die Lust nnd schreibt darauf: Imitlwrn!so ist's genug, und sogar sein Gesicht entbehrlich, das mit et-was fetter Monchschrift geschrieben ist; — die sichtbare Ehren-kirche führt schon den Krastpriestcr der unsichtbaren heran vorunser Herz. Die eigne Gestalt des Gcdcnk-Menschcn ist folg-lich dem Denkmale nicht nothwendig, ja — z. B. die vonVoltaire durch Pigalle — sogar schädlich, wenn sie nicht vonder Taufe der Kunst die Wiedergeburt empfangen hat; daherdie Griechen die Ucbcrgröße der Lebensgröße für ihre Statuenwählten. Wie wenig man ähnlich, oder gar ikonisch abbildcnwill, sieht man daraus, daß man nicht statt der Bildsäulen,welche durch Nacktheit und Marmorglanz stets größer erschei-nen, lieber verjüngte macht, sondern sich der ähnlichen Zwerg-Statuen bei Fürsten nnd Großen enthält. Man stelle eineSpiegclstatne, nämlich ein Wachsbild, sogar in idealen Gewäu-Lerwindcln, in einen Ehrcntempcl: so ist's so viel, als gerietheder lebendige Gegenstand selber als Spaziergänger in seineVergötternngkirche. Nur die Kunst spricht durch einen äußern