296
Großen nicht blos, sondern auch alles übrige geistige Bergvolknun von uns in Luthers Pantheon, wozu die sechstausend ansder Nazion gcbrochnen Bausteine schon da liegen, hinein ge-schafft, und daselbst ausgestellt, und mit einigem Nazioualge-sühl nnd Stolz zusammen aufbcwahrct und verehret werden,nm so die Baukosten zcrstrcuetcr Ehrensaulcn für jeden beson-dern Narren sich ohne Geschrei und Schande zu ersparen.
Dieß muß geschehen; denn lassen wir nicht mehre Köpfeunter Einen Lorbeerkrauz zusammcnkommcn, oder auf demMausfclder Triumphwagen nicht recht viele Sieger einsitzcn:so sind wir bei der Nachwelt (auf die wir alles bringen) znwenig entschuldigt, daß wir einem Manne, wie Luther, erst sospät nach der letzten Ehre eine neue erzeigten, und daß er, sowie Tasso Einen Tag vor seiner Krönung, eben so ein Jahr-hundert und länger vor der scinigcn sterben mußte, wir müß-ten uns denn damit helfen — was eben so erbärmlich, alsnothwendig wäre — daß wir auf Luthers Denk-Statue oderKirche wenigstens von zwei jJahrzahlen eine weglicßcn, entwe-der das Gcburtjahr der Statue, oder sein eignes. Aberwarum, wenn nun ganze deutsche Kreise das Beste versuchen,nnd sich vor einen vollbesetzten Sieg- und Krönungwagen ge-fürsteter Geister spannen, soll man mit Krönungen knausern,sobald alles dazu da ist, Krone und Kopf? Nein, sondernDeutschland sei dann — so ist mein Vorschlag — wie außersich, und erinnre sich eines jeden, der Gewicht hat, und schütteso mit Einem Schlag den Schwarmsack herrlichster Honigbie-nen aufs Paradebette aus. — Meusel muß nachgcschlagen,Schlichtegroll exzerpirt — und alles, was nur nothdürftigunsterblich ist (denn die Ehre ist auch danach), zu Papier undin den Tempel gebracht werden, weil ein einziger Teufel, der