Druckschrift 
15 (1849) Dr. Katzenbergers Badereise : nebst einer Auswahl verbesserter Werkchen
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

278

werden, als wenige? Wie selig war ich oft in den vor-nehmsten Männcrzirkeln, wo, als in Epikurs- und Augias-Ställen, die kothigstcn Anekdoten aller Art umliefen, wenn ich,nichts als mein blindes Ohrthor zeigend, in meinem znge-maucrten Konklave mitten unter moralischen Stcrkoranistendie köstlichsten biographischen Madonnen erzeugte und an-betctc! Aehnlicher Weise durften sonst in Jülich und Berg(einige Dörfer ausgenommen) Protestanten an katholischenHeiligen-Tagen, nach Reichsgesctzcn, nur arbeiten, wenn sieThüren und Fenster verschlossen. Wie wurd' ich oft vonmancher Erzählung gelabt, wenn sie lang und langweiliggenug war, daß ich während ihres Verlaufs, mit offenem Ge-sicht am verschlostncn Kopf, heiter am neuesten Druckbogenfortarbciten konnte, z. B. an diesem! Wurd" ich dann wieder,wie ein Siebenschläfer und Epimcnides, wach, so umzog micheine verjüngte Welt, und frische Gespräche versuchten ihr Heil.

-Hier komme ich leider scheinbar in den Fall der

Buchhändler und Fürsten, welche das Allgemeinste oft alsHerold dem Bestimmtesten vorausschicken, die Ewigkeit demMarkttage, wenn ich auf die Partie Ohren-Korke oder Hör-schirme aufmerksam und begierig mache, welche mir ein abge-dankter Vielkünstler, der lange auf Bühnen, Flöten, Kartenund Weibcrherzen gespielt, als Faustpfänder einer kleinenSchuld aus dem Halse gelassen. Die Schirme (dem Ansühlennach von Resina mit etwas Baumwolle) sind gut und ge-schmackvoll genug. Meine Adresse ist: I. P. F. Richter,Legazionrath, in Hrn. Registrator Schramms Hause in Bai-reuth*). Als mir der Tonkünstler dieser geselligen Still-Lebcn

*) Gegenwärtig in Hrn. Schwabachers Hause in der Friedrich-straße.