Hingegen den Hanptmann sah er kaum an — erstlich vorIngrimm — zweitens weil er ihn nicht sah oder selten. Dergute Meßkünstlcr -- dem sich jetzt das Leben mit einem neuenFlor bezogen hatte, und welchem der Brunnen-Lärm sich zurTrauermusik einer Soldatenlcichc gedämpft — war nirgendzu sehen, als über den unzähligen Druckseblcrn seines mathe-matischen Kästners, welche er endlich einmal, da er sic bis-her immer nur improviflrcnd und im Kopfe nmgcbesscrt, vonBand zu Band mit der Feder ausmustertc. So wenig er nunUrsache hatte, da zu bleiben, so wenig halt' er Kraft, fortzn-rcisen. Bracht' er sich selber aus die Folter und ans die pein-liche Frage, was ihn denn plage und nage, so fragte er nichtsheraus als dieß, es gehe ihm gar zu nahe, daß er einunschuldiges Francnzimmcrchcn durch seinen mißverstandnenNamen-Wettkampf mit Nicß zu einer Etourdcrie hingclockt,und sie mit Gewalt in die Bußzcllen der Einsamkeit gejagt.„Die Wunden ihres Ehrgefühls, sagt' er sich, müssen sie janoch heißer schmerzen, als einen Mann die des seinigen; undich wäre ja ein Hund, wenn-ich nicht alles thäte, was ichkönnte, und nicht so weit wegblicbe von ihr, als nur menschen-möglich." Dennoch fuhr er oft mitten aus den kältesten Rech-nungen — die ihn eben weniger zerstreuten, weil sic ihnweniger anstrcngten, als einen andern — zähne-knirschend undschmerzen-glühend ans vom Buche (er hatte unbewußt fort-gcrechnct und fortgefühlt) und sagte: „o mein Gott! was istdenn? Dieß hole der Teufel, o Gott!"
Ein redlicher Kriegs- und Mcßkünstler von Jüngling,der in seinem Leben nichts Weibliches weiter innig geliebt,als seine Mutter, und welchem bisher das leichte Blut soungekämmt durch das still-offne Herz geflogen, weiß gar nicht.