6. S u m m u l a
Fortsetzung der Abreise durch Fortsetzung des Abschieds.
Am Morgen that oder war Theoda in der weiblichenWeltgeschichte nicht nur das achte Wunder der Welt — siewar nämlich so früh fertig als die Männer — sondern auchdas nennte, sie war noch eher fertig. Gleichwol mußte manauf sie warten — wie aus jede. Es war ihr nämlich dieganze Nacht vorgckommen, daß sie gestern sich durch ihrenFrcndenungcstüm und ihre rcisctrunkcnc Eilfertigkeit bei einemAbschiede von einer Freundin vollends versündigt, deren Helleungetrübte Besonnenheit bisher die Leiterin ihres Brauscher-zcns gewesen — so wie wieder die Leiterin des zu überwölk-ten Gattenkopfs — und welche ihre versteckte Wärme immerblos in ein kaltes Lichtgcbcn cingeklcidct; — und von dieserFreundin so nahe an der Klippe des weiblichen Lebens eiligund freudig geschieden zu sehn — dieser Gedanke trieb Theodagewaltsam noch einmal in der Morgendämmerung zu ihr. Siefand das Haus offen (Mchlhorn war früh verreiset) und siekam ungehindert in Bona's Schlasgcmach. Blaß wie einevon der Nacht geschlossene Lilie, ruhte ihr stilles Gesicht imaltväterischen Stuhle umgesunkcu angelchnt. Theoda küßteeine Locke — dann leise die Stirn — daun, als sie zu schnar-chen anfing, gar den Mund.
Aber Plötzlich hob die Verstellte die Arme aus und um-schlang die Freundin: „Bist du denn schon wieder zurück,