Während der Doktor in seinem Mißgeburten-Kabinetteeiniges abstäubtc, von ausgestopftcn Thicrlcichen durch Räu-chern die Motten (die Teufel derselben) vertrieb, und denEmbryonen in ihren Gläschen Spiritus zu trinken gab: tratein fremder, fcingcklcidctcr und feingcfittetcr Herr in dieWohnstube ein, nannte sich Herr von Niest, und überreichteder Tochter des Doktors, nach der Frage, ob sie Thcodaheiße, ein. blaucingeschlagcncs Briefchen an sie; cs sei von'feinem Freunde, dem Bühnen-Dichtcr Thcudobach, sagte er.Das Mädchen cntglnhte hochroth, und riß zitternd mit demUmschlag in den Brief hinein (die Liebe und der Haß zer-reißen den Brief, so wie beide den Menschen verschlingenwollen) und dnrchlas hastig die Buchstaben, ohne ein anderesWort daraus zu verstehen und zu behalten, als den NamenThcudobach. Hr. v. Nicß schaute unter ihrem Lesen scharfund ruhig auf ihrem geistreichen, beweglichen Gesicht und inihren braunen Feuer-Augen dem Entzücken zu, das wie einweinendes Lächeln aussah; einige Pockcngrubcn legten dembeseelten und wie Frühling-Büsche zart- und glänzend-durch-sichtigen Angesicht noch einige Reize zu, um welche der Doktor-Jenner die künftigen Schönen bringt. „Ich reise, sagte derEdelmann daraus, eben nach dem Badeorte, um da mit cincrkleincn dcklamircndcn und musikalischen Akademie von einigenSchauspielen meines Freundes auf seine Ankunft selber vor-zubereitcn." Sie blieb unter der schweren Freude kaum auf-recht; den zarten, nur an leichte Blüten gewohnten Zweigwollte fast das Fruchtgchänge nicdcrbrcchcn. Sic zuckte miteiner Bewegung nach Nicßcns Hand, als wollte sie die Ucber-bringerin solcher Schätze küssen, streckte ihre aber — heiß undroth über ihren, wie sie hoffte, uncrrathcnen Fehlgriff —
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15 (1849) Dr. Katzenbergers Badereise : nebst einer Auswahl verbesserter Werkchen
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