„So zeigt mir wenigstens," fuhr Julian fort, „wo meinVater gefangen fitzt, daß ich auf die Mauer Hinsehen kann,die uns trennt."
„Junger Herr," sagte der Aufseher, seinen grauen Kopfschüttelnd, „es thut mir Leid um Euch, aber Fragen werdenEuch nichts helfen. An diesem Orte wissen wir nichts von Vä-tern und Söhnen."
Jndeß schien der Zufall, wenige Minuten nachher, Julianden ^Wunsch zu gewähren, welchen ihm die Strenge seinerAufseher zu versagen geneigt war. Als er auf den steilen
Weg gebracht wurde, der unter den sogenannten Wakefield-Tower führt, rief eine weibliche Stimme in einem von Kum-mer und Freude unbeschreiblich gemischten Tone aus: „MeinSohn! mein theurer Sohn!"
Selbst die Wachen Julians schienen von einem Tone sotiefen Gefühls erweicht. Sie verzögerten ihre Schritte. Siehielten fast, um ihn nach dem Fensterflügel sehen zu lassen,aus welchem die Töne der mütterlichen Beängstigung her-kamen, aber die Oeffnung war so enge, und so dicht vergit-tert, daß nichts sichtbar war, als eine weiße, weibliche Hand,welche einer der rostigen Stangen, wie zur Stütze der in-wendig sich befindenden Person, ergriffen hatte, während eineandre Hand ein weißes Schnupftuch herausstreckte und esdann fallen ließ. Der Fensterflügel wurde sogleich ver-lassen.
Julian steckte das Zeichen der Zärtlichkeit seiner Mutter,mit dem ihn der Zufall beglückt hatte, in seinen Busen, undals er in der kleinen einsamen Stube sich befand, die ihm zuseinem Aufenthalt im Tower angewiesen war, wurde er selbstbis zu Thränen durch diesen kleinen Umstand erweicht, dener nicht anders als eine Vorbedeutung betrachten konnte, daß