Druckschrift 
21 (1852) Peveril vom Gipfel
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

227

altklugen Verstände zieht Ihr die Mädchen an, ohne daß siewarten, bis um sie geworben wird, während ich, ihr Knechtund Vasall, Sprache und Muße verschwende, ohne ein freund-lich Wort oder Gesicht, vielweniger einen Liebesbrief zu er-halten."

Dieß sagte der Graf mit triumphirendem Lächeln, da ersich wirklich nicht wenig auf sein vermeintes Ansehen bei demschönen Geschlecht zu gute that.

Indessen erregte der Brief in Peveril eine ganz andereGedankenreihe, als sein Gesellschafter vermuthete. Er warvon Alcriens Hand, und enthielt diese wenigen Worte:

Ich fürchte, mein Vorhaben ist unrecht; aber ich mußEuch sehen. Trefft mich Mittags bei Goddard Crovan'sSteine, aber so geheim als möglich."

Der Brief war bloß mit den Anfangsbuchstaben .1. ö.unterzeichnet, aber Julian erkannte sogleich die Handschrift,wie er sie oft gesehen batte, und welche ausgezeichnet schönwar. Er stand unentschlossen da; denn er sah die Schwie-rigkeit und Unschicklichkeit ein, sich von der Gräfin und sei-nem Freunde in diesem Augenblick der drohenden Gefahr zuentfernen, und doch konnte er nicht daran denken, dieseEinladung zu versäumen. Er schwieg in der äußersten Ver-legenheit.

Soll ich Euer Räthsel lösen?" sagte der Graf.Geht,wohin Euch Liebe ruft. Ich will für Euch bei meiner Mut-ter eine Entschuldigung Vorbringen. Aber seid dann auchnachsichtsvoller gegen Andere, als bisher, und lästert nichtdie Macht des kleinen Gottes."

Ich will aufrichtig so viel gestehen," sagte Peveril,daßich, wenn es sich mit meiner Ehre und Eurer Sicherheit ver-trägt, zwei Stunden zu meiner Verfügung zu haben wünschte,

15 *