220
Anfang bis zu Ende lesen, wie auch die dazu gehörendenDepeschen."
Eine Mutter wird leicht besänftigt, selbst wenn sie auf'sHöchste beleidigt ist; und mit freudigem Herzen sah dieGräfin ihres Sohnes angenehme Gefichtszüge, während erdiese Papiere las, einen Ausdruck tiefen Ernstes annchmcn,den sie selten trugen. Der Graf hatte kaum die Depeschendurchgelesen, als er aufstand und sagte: „Julian, kommtmit mir."
Die Gräfin stutzte. „Ich war gewohnt, mein Sohn,"sprach sie, „deines Vaters Rathschläge zu thcilcn; aber glaubenicht, daß ich mich in deine Pläne cindrängen will. Ich bines nur zu wohl zufrieden, zu sehen, daß du die Macht unddie Pflicht übernimmst, für dich selbst zu denken, worauf ichso lange bei dir gedrungen habe. Nichts desto weniger möchtedoch, da ich so lange deine Oberherrschaft auf der Insel Manverwaltet habe, meine Erfahrung, wie mich dünkt, bei demVorhaben nicht überflüssig sein."
„Entschuldigt mich, theuerste Mutter," erwiederte der Grafernsthaft, „ich habe nicht darnach gestrebt, mich hier cinzumi-schen; wäret Ihr Euren eignen Weg gegangen, ohne mich zuRathe zu ziehen, so wäre es recht gut gewesen; aber seitdemich an der Angelegenheit Theil genommen habe — und siescheint wichtig genug — muß ich sie auf's Beste nach meinemeigenen Vermögen durchführen."
„So geh' denn, mein Sohn," sagte die Gräfin, „und derHimmel mag dich erleuchten mit seinem Rathe, da du denmeinigcn nicht haben willst. — Ich vertraue auf Euch, HerrPeveril, daß Ihr ihn an das erinnern werdet, was seinerEhre geziemt, und daß bloß ein Feigherziger seine Rechtepreisgibt, und nur ein Thor seinen Feinden traut."