Druckschrift 
21 (1852) Peveril vom Gipfel
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

trennt hatte, und stand bereit, seiner Mutter beizustehen, wennaus ihrer Zusammenkunft mit der Fremden Gefahr für sieentspränge.

Die Fremde schien die Ursache der sichtbaren Verlegenheit,in welche Lady Peveril bei ihrem Anblick gerathen war, zuerrathen; denn sie sagte mit der rührenden Art, die ihr be-sonders eigen war:Zeit und Mißgeschick haben mich sehrverändert, Margarethe, das sagt mir jeder Spiegel.Margarethe Stanley jedoch, deucht mich, sollte Charlotte dela Tremouille noch erkannt haben."

Lady Peveril war wenig gewohnt, sich von einer plötzlichenGemüthsbewcgung Hinreißen zu lassen; aber im gegenwärti-gen Falle warf sie sich auf die Kniee und rief in einem mitGram und Freude gemischten Entzücken, und, halb die Knieeder Fremden umfassend, mit gebrochener Stimme aus:Meine gütige, meine edle Wohlthäterin die fürstlicheGräfin von Derby die Königin von Man könnt' ichan Eurer Stimme, Euren Geflchtszügcn nur einen Augenblickzweifeln? O vergebt, vergebt mir!"

Die Gräfin hob die fußfällig flehende Verwandte von ih-res Mannes Hause mit aller Anmuth empor, die einer vonfrüher Kindheit her an den Empfang von Huldigung und anErtheilung von Schutz gewöhnten Dame eigen ist. Sie küßtedie Lady Peveril auf die Stirne, und fuhr mit der Handliebreich über ihr Gesicht, indem sie sagte:

»Ihr habt Euch auch verändert, meine theure Cousine;aber diese Veränderung kleidet Euch wohl, als der Uebergangvom hübschen und schüchternen Mädchen in eine kluge, ver-ständige Hausfrau. Aber mein Gedächtniß, das ich ehemalsfür gut hielt, trügt mich sehr, oder dieser Herr da ist RitterGottfried Peveril?"