II
20. anwendbar wäre, warum willst du deswegen dieGebote deines Richters entheiligen? Gleichwie dieGerechtigkeit keines Predigers dich selig machen kann,(Hesekiel 14, 14.) eben so wenig kann die Ungerech-tigkeit eines Predigers deine Sünden entschuldigen.Auch wird cs deine Nerdammniß nicht lindern, wenndu sagst, daß dein Prediger dir mit keinem bessern Bei-spiel voran ging. Du sollst ihnen nur in so weitfolgen, wie sie Christum folgen. (1 Corinthcr II, 1.)Nimm daher in dieser Hinsicht keinen Menschen dirzum Beispiele, sondern gedenke daß am Ende ein jederseine eigene Last tragen muß. (Galater 6, 5.) Forschedeswegen fleißig in dem Worte Gottes, darin wirst duflnden, wie dein Heiland gewandelt, und wie auch duihm in Lehre, Leben und Leiden getreulich mußt Nach-folgen, wenn du mit ihm willst zur Herrlichkeit ein-gchcn. (Luc. 9, 23. Joh. 12, 26.) Die wahren SchaafeJesu Christi hören mit Lust und Freuden seine Stimme,und folgen ihm freiwillig. (Joh. 10, 27.
20. Wir hoffen alle selig zu werden.
Antwort. Daß du hoffest ist wohl gut; aber sichezu, daß du dich nicht betrügest in deiner Hoffnung. DieHoffnung ist zweierlei, eine todte und eine lebendige.1) Die lebendige Hoffnung ist eine Frucht der Wieder-geburt, nach 1 Pct. I, 3. Sie zweifelt nicht, (Ebr.II, 1.) und es fließen lauter christliche Tugenden ausderselben hervor. 2) Die todte Hoffnung ist des Men-schen eigenes Gedichte, nach welcher er sich mitten inseinem unbckchrten Zustande, dennoch der Seligkeit ge-tröstet, und die daher nichts als eine Einbildung zumGrunde hat. Laß es, lieber Mensch, nicht auf einGerathcwohl mit deiner Hoffnung ankommen, sondernprüfe, ob du auf den rechten Grund bauest, welcher istChristus. (I Cor. 3, I I.)
21. Man muß cs bei dem Alten lassen.
Antwort. Wenn das Alte gut ist, so behalt manes billig; ist cs aber böse, so muß man es fahren lassen.Willst du deswegen das Alte behalten, weil cs alt ist,