XXXV
Gelegenheit, seine Beobachtungen über den traurigenInstand zu machen, in dem sich diese edle Wissenschaft»och befindet.
Nach unserer Einrichtung macht nämlich der Kreis-physikus seinen Bericht über den Befund des Leichnamsund zieht hieraus seine Schlüsse. Dieser Bericht gehtnun mit den Akten nach der höhern Behörde, undwenn dieser die Sache nun nicht klar ist, so fragtdiese wohl die höhere Medizinalbehörde um ihre Mei-nung. In der Regel weiß diese die Sache besser, wieder Kreisphysikus, und behauptet nun das gerade Ge-gentheil von dem, was jener gesagt.
Darauf kommt die Sache zur Assise. Die Aerzte er-scheinen, und jeder behauptet hartnäckig seine Meinung.Denn die Klugheit besitzen sie selten, daß sie ihre Mei-nung so vorsichtig und gemäßigt abfaßten, daß sie sienachher znrücknehmen könnten und sich auf einer gemein-schaftlichen Meinung einigen. — Nun geht der Streitlos, oft ein wahrer Hahnenkampf, bei dem die Juristenvielfach ins Fäustchen lachen, wenn sie sehen, wie sichdie Herren Mediziner durch verstellte Fragen gegeneinan-der aufhetzen lassen. Ich habe einmal einer Assise bei-gcwohnr, wo die Sache zuletzt ganz blutig wurde.Der Kreisphysikus blieb nämlich ferm bei seiner Mei-nung. Der andere Arzt, welcher sein Vorgesetzter war,ebenfalls, und dieser wurde nun so eifrig, daß er Nasen-