-<>D 386
Eine Flasche Wein, die ihm jetzt aufgetragcn wurde,brachte ihn auf andere Gedanken. Er erzählte mancherleiGeschichten von Teutlingen, und fragte znlctzt, ob sichnicht bisher häufig Bettler auf dem Lande gezeigt hätten.
„Ja wohl!" sprach Frcimnnd. Ich bemerkte darnntcrbesonders ein Paar höchst unverschämte Gesellen, die mich vierWochen lang täglich, einer um den andern, heimsuchtcn,und nicht eher wcgblicben, bis ich ihnen drohte, sic ein-steckcn zu lassen."
„Und Ihr kanntet die Herren nicht?"
„Die Herren?" —
„Nicht anders! Denn es waren der Herr Kirchcnvor-stcher Lämmel und der Herr Nathmau» Gimpel, diesich durch Lumpen und bepflasterte Gesichter nnkenntlichgcmacht hatten. Die guten Narren lasen in einem öffent-lichen Blatte — wenn ich nicht irre, im allgemeinen An-zeiger der Deutschen — den Vorschlag eines Ungenann-ten: cs sollten brave Männer, als Bettler verkleidet,Deutschland inS Kreuz und in die Quere durchziehen, undfür ihre durch den deutschen Freiheitskrieg unglücklich ge-wordenen Landsleute — jedoch ohne Angabe dieser Absicht— Tag für Tag und von Haus zu Haus einen Pfennigsammeln, wodurch eine ungeheuere, allen Schaden ersetzendeSumme gewonnen werden würde. Das schien den HerrenGimpel und Lämmel ein trefflicher Einfall. Sie machtensich also stracks ans den Weg, sind aber gestern Abend,nach vieler ausgestandcnen Schmach, jämmerlich zerblänt,und mit zwei oder drei Gulden Kupfergcld in der Tasche,wieder nach Hause gekommen.".
„Sie haben ihre Schläge verdient;" sagte Frcimnnd.„Jeder Lug und Trug, wenn er auch den redlichsten Zweckhat, ist eines Deutschen unwürdig. — Ich erinnere