„Was Fräulein! was Fräulein!" fiel ihr Vater ein.„Meine Tochter heißt Jungfer Frcimund, und so ziemtflch's, wenn es unser rechter Ernst ist, der ncudentschenPrahlsucht zn entsagen und bescheidene Altdeutsche zu sepn.Jungfrau ist ein edles Wort; wer kann cs tadeln?Hat aber eine junge Bürgerin daran nicht genug, sondernwill durchaus Fräulein heißen, so ist sie ein eitles We-sen und kein deutsches Mädchen, wie es sepn soll."
„Predigt das ja nicht auf dem Markte in Teutlingcn,werther Freund!" sagte der Amtmann. „Ihr würdet ge-stciniget werden. Ich befürchte ohnedicß nächstens einenAufruhr, weil der edle Rath im Sinne hat, die TitelMadame und Demoiselle durch ein öffentliches Ge-bot abzuschaffen, und dafür Frau und Jungfrau inGang zu bringen. Die Sache ist verrathcn worden, undcs entstehen schon merkliche Währungen darüber. UnsereFrauenzimmer wollen zwar die französischen Titel mitVergnügen aufgcben, begehren aber dafür Herrin undFräulein zu heißen."
Wir lachten einstimmig und der Amtmann am stärksten.Er wette darauf, fuhr er fort, daß sogar seine alteHaushälterin, die Tochter eines Kesselflickers und Wittweeines Sudelkvchs, künftig werde Herrin genannt sepnwollen; wenigstens mache sie täglich Versuche, sich derHerrschaft über ihn zu bemächtigen: er werde sie aberbald vom Hausthrone stoßen und eine junge, schöne Ge-mahlin darauf setzen, die er mit Freuden als seine Her-rin anerkennen wolle. — Er blinzelte dabei Paulincn mitkleinen, verliebten Augen.au, und beunruhigte mich nichtwenig damit. Doch war es mir tröstlich, daß sie ernst-haft zur Erde sah, und sich ein Geschäft machte, um sichmit Anstand entfernen zu können.
Langbein'S sämmtl. Schr. XVI. Bd.
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