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VI.
Das Turnier.
Unter dem Vorwand einer Lustreisc, eigentlich aber mitHeirathsgedanken, ritt ich im Sommer 1814 nach Eichen-berg zum Gutsherrn Freimund, der von Jugend, auf derinnigste Freund meines verstorbenen Vaters gewesen war.Er nahm mich mit offenen Armen auf, und schicktesogleich nach Paulinen, seiner Tochter, um sie mirvorzustellen. Ich hatte sie zuletzt als ein zwölfjährigesMädchen gesehen und das kleine niedliche Bild immerim Kopfe herum getragen; doch wie ward ich überrascht,als eine hohe, schlanke Gestalt, in voller Blüthe der Schön-heit, hereintrat und mich wie einen Fremdling begrüßte.Das Blut stieg mir ins Gesicht; ich war um Worte ver-legen. Glücklicher Weise ließ sich eben im Hofe ein Ge-trampel von Pferden vernehmen; Vater und Tochter eil-ten ans Fenster; ich folgte ihnen.
Ein langer, starker, seltsam gekleideter Mann, der einenReitknecht hinter sich hatte, schwang sich vom Pferde. Ertrug eine schwarzsammtne, platte, pilzförmige Mütze miteiner Feder, ein gleichfarbiges kurzes Wamms mit einerbreiten Leibbinde, eine» großen weißen, ausgezackten Hals-kragen, und Halbstiefcln mit weiten, hinten zugcspitztenSchnabelstulpen, die mit goldenen Fransen verziert waren-
„Wer ist der abenteuerliche Ritter?" rief Frcimund.
„Ei! kennen Sie ihn denn nicht?" sagte Pauline. „Esist ja der Herr Amtmann Flau von Teutlingen."