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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
370
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Indem er dieses Triumphs genoß, ging der Gastwirthgegen das Ende der Mahlzeit von Stuhl zu Stuhl, ließsich Speise und Trank bezahlen, und erhob auch von den-jenigen Gasten, welche selbst Wein mitgebracht hatten, ei-nen in seinem Hause gewöhnliche» Einfuhrzoll von zweiGroschen für die Flasche. Unser Stürzebccher, dem dieseAbgabe fremd war, erschrack darüber und setzte geschwinddie zwei leeren Flaschen unter den Tisch, um die harteGeldbuße seiner Völlerei um die Hälfte zu mäßigen. Alsaber der wandelnde Einnehmer zu ihm kam und für diezwei Flaschen, die noch auf dem Tische standen, den Wcin-zoll erhalten hatte, hob er säuberlich das Tafeltuch aufund sagte mit schalkischcr Freundlichkeit:Auch für dieseLeiden entseelten Körper bitt' ich um meine Gebühren."

Der ertappte Knicker ward roth und biß vor Aergerdie Lippen zusammen- Er kämpfte schweigend ein paarAugenblicke mit sich selbst, was er thuu sollte. Endlichklaubte er die angefochtenen vier Groschen langsam undeinzeln ans dem Geldbeutel heraus, wandte sie zehn Malum, und als er so von ihnen Abschied genommen hatte,schien er fest entschlossen, sic ausznliefern; doch plötzlichzog er die erhobene Hand wieder zurück und sagte:Nein,ich war' ein Narr, wenn ich mein Geld so wegwürfe!Ich gebe nichts weiter und fordere sogar von der schonbezahlten Trankstcuer zwei Groschen zurück: denn nur dieFrau Bergräthin trank Wein, ich aber Wasser, nichts alsWasser, gefärbtes Wasser."

Der Gastwirth erklärte diese sonderbare Ausflucht füreinen Scherz,llcberzcugen Sie sich von der Wahrheit!"rief der Rath und reichte ihm ein gefülltes Glas. DerZweifler trank, sprudelte aber das cingeschluckte Naß ge-schwind wieder aus und betheuerte laut:So wahr ichlebe! 's ist Gänsewein!"