Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
369
Einzelbild herunterladen
 

-o-D 369 <§-->-

eils die zahlreiche und sehr gemischte Gesellschaft anfing,sich am Tische zu lagern. Der Zaunkönig schlug zwischenMutter und Tochter seinen Thron auf. Der BergräthinNachbarschaft an der andern Seite war ihm gleichgültig;Luisen hingegen wollte er wie eine» Schatz einmaucrn,und winkte deßhalb einer ehrbaren Matrone, sich zurMauer zu machen. Doch indem sich das Müttcrlcin an-bancn wollte, rief ein junger Officier:Nein, Mamachen,das geht nicht! Es muß bunte Reihe werden." Undsobald er mit lauter Stimme dieses Gesetz ausgesprochenhatte, wollte er auch schon die erste und süßeste Fruchidavon genießen und sich neben Luisen nicderlafsen. Be-stürzt sprang der Commcrzicnrath ans und stammelte:Ver-zeih» Sie, das ist meines Vetters Platz. Wo steckt denn derFasler ? Ei. zum Guckguck, pack dich doch her!" So mußtedas Tpranuchen, um nicht aus dem Regen in die Traufe zukommen, den Verbannten aus seinem Sibirien znrückrufcn.

Die wieder vereinten Liebende» wechselten behutsammehr Blicke, als Worte. Der eifersüchtige Lauscher warmit ihrer Sittsamkcit zufrieden, ward nach und nach lustigund entsiegelte nach der Suppe zwei Flaschen. Luise trank,wie er wußte, keinen Wein, aber die Mutter desto mehr:er widmete ihr deßhalb, so sehr er auch selbst darnachlechzte, den erschlichenen Malaga ganz, und wünschte nurim Stillen, daß sic daran genug habe.

Er selbst konnte weder ein leeres noch ein volles Glasvor sich stehen sehen. Innerhalb einer Stunde war ermit zwei Flaschen fertig, und becherte schon aus der drit-ten. Männiglich erstaunte über den Zecher. ES war auchsein Vorsatz, Aufsehen zu machen. Er wußte, daß er alsein Filz und Hungerleider verschrieen war; darum wollteer sich einmal als Verschwender und Schwelger zeigen.

Langbein'S stimmt!. Schr. XVI. Bd. 24