V
368
zwar losgebcten; aber führe dich bescheidener auf, undpflanze dich bei Tische nicht etwa neben das Mädchen.Wähle dir vielmehr, um die zornige Frau wieder zu be-sänftigen, den fernsten Platz, den du finden kannst, undiß und trink dort mit deinen Freunden; was Ihr bezahlenkönnt, das geht mich nichts an."
Ferdinand, der schon Louise» versprochen hatte, ihr Tisch-nachbar zu sepn, crschrack über diese Gcsctzpredigt. Erwolle, ohne den abgekarteten Handel zu gestehen, einenVersuch machen, den Onkel zur Duldung in seiner Nähezu bewegen; aber kaum begann er seine Bitte, so wardsie nicdcrgcdonnert und ihm, wenn er nicht Gehorsamleiste, mit Enterbung gedroht.
8 .
Er kehrte dem Herrschcrling, dem gebieterischen Zaun-könig — welches Vögclcin man wirklich in einigen Ge-genden das Tprannchcn nennt — schweigend den Nucken,lief hinab in die Schenkstubc und schrieb in diesem ge-wühlvollen Noahskastcn mit Bleistift folgendes Briefchenan Luisen:
„Mein wunderlicher Oheim, dem ich aus Gutmu-„thigkeit nicht trotzen mag, befiehlt mir, mich bei„Tische so weit als möglich von ihm — folglich auch„von Ihnen — zu entfernen. Welche traurige Mahl-„zeit steht mir bevor! Wie vergnügt wollt' ich Was-„scr und Brod an Ihrer Seite genießen! Mir ge-führt Gcfängnißkost; denn ewig bin ich Ihr Ge-gangener."
Dieses Blättchen schob er Luisen heimlich in die Hand.Verstohlen hatte sic kaum die bitter-süßen Worte gelesen,