Mein Begleiter, der Kutscher, machte sich den Spaß, hin-ter ihm her mit einer Peitsche zu knallen. Der Hoch-würdigste crschrack und that einen so gewaltigen Sprung,daß ihm, o Wunder! der Kopf rücklings von den Schul-tern stürzte, und neben dem fliehenden Rumpfe her ei-ligst davon lief.
Ich konnte vor Lachen den zerfallenen Riesen nicht ver-folgen. Aber der Kutscher gab ihm mit klatschender Peitschedas Geleit bis ans Ende der Halle. „Das ist Schelm-pack!" rief er, als er zurück kam. „Der Zwerg stand aufdes Kapellmeisters Schultern!" Ich bat ihn, die Geschichtezu verschweigen. Und als der Fürst des folgenden Tagesgegen mich Verwunderung äußerte, daß der Geist nichterschienen scp, schwieg ich auch.
Die beiden Bruchstücke des heiligen Nicodcmus wichenmir seitdem möglichst aus. Der Kopf, so gut er auchlaufen konnte, entlief seiner Strafe nicht. Er gerieth baldnachher bei folgender Gelegenheit in eine höchst verdrieß-liche Lage.
Eine reisende Künstlerin, die sich mit pantomimischenVorstellungen durch die Welt half, trug dem Fürsten dasVergnügen an, ihre Kunst zu bewundern. Da sic mei-stens heilige Gegenstände darzustellen versprach, so erhieltsie Erlaubniß, eines Abends ihre Schaubühne im Schlosseaufznschlagen. Der sämmtliche Hofstaat hatte Zutritt, undder Fürst selbst befand sich nebst einigen gerade anwesen-den Glaubcnsbrüdcrn unter den Zuschauern.
Nach verschiedenen, ganz mißlungenen Auftritten, zeigtesich die Stümpcrin als Jungfrau Maria, und der gött-liche Sohn, der ihr auf dem Schooße ruhte, war unseralter, häßlicher Zwerg. Ein unaufhaltsames Gelächterbrach aus. Aber im heftigsten Zorne fuhr der Fürst em-