Ich bethcuerte, daß diese Rose einen unvergänglichenWerth für mich habe, und, schnell mein Taschenbuch öff-nend, bewies ich die heilige Aufbewahrung der zwischenScidcnpapicr ruhenden Blume der Liebe. Gerührt reichtemir Helene die Hand. „Wir bleiben Freunde!" sprachsie herzlich. „Doch jetzt verlassen Sie mich, lieber Wal-land! .Es soll und darf niemand unsere Zusammenkunftwissen, denn in solchen Fällen muß man befürchten, daßdie Bäume Augen und Ohren haben."
Glücklich wie ein Gott zog ich mich zurück. Der Ka-pellmeister begegnete mir mit seinem gewöhnlichen Dlitz-und Donncrgcsichte auf der Schloßtrcppe; ich aber grihn so freundlich, daß er mich stutzig ansah, als ob ermich für wahnwitzig hielte.
Einige Tage später ward mir, als ich in den Frühstun-dcn des Fürsten Befehle vernehmen wollte, im Vorzimmergesagt: er scp krank und lasse niemand vor. Mittagskam er nicht zur Tafel. Auch Helene und die Tanteschlossen sich davon aus. Ich spcis'te mit meinen dreiGegnern allein. Ein wahres Gistmahl! Sie sprachenunter sich ein Rothwälsch abgebrochener Worte und lach-ten unaufhörlich dazwischen. Ich wußte nicht, ob ich vcr-rathcn oder verkauft war.
Nachmittags ward ich zum Fürsten gerufen. Unge-wöhnlich bleich saß er zwischen Betten in einem Lehnstuhleund sagte mit matter Stimme: „Nehmen Sie Platz anmeiner Seite! Das Sprechen wird mir schwer, aber einwunderbares Ercigniß nöthiget mich, mit Ihnen zu reden."
„Ich weiß nicht, ob Sie davon gehört haben, daß die-ses Schloß auf den Grundfesten eines vormals hier ge-standenen Mönchsklosters erbauet ist. Das letzte Oberhauptdesselben war ein Abt, Namens Nicodcmus, der vom