ich noch vorbrachte, kein Gehör, und ich mußte zuletzt ver-sprechen, den Kapellmeister im Zaume zu halten.
Damit dicß ohne Aufsehen geschehe, ließ ich in denNachmittagsstunden, als der Fürst zufällig mit mir überMusik sprach, de» Wunsch verlauten, ein gewisses geistli-ches Singstiick, das die Hauskapellc kurz zuvor cingcübthatte, auf den Abend vortragcn zu hören. Doch leiderhatte der Fürst keine Lust dazu; er vertröstete mich ansden folgenden Tag. Ich muhte nun den Kapellmeister,der sich um sieben Uhr noch zu Hause befand, auf eineandere Weise gefangen nehmen.
Das natürlichste Mittel war, ihn im Schlosse einzu-sperrcn. Möglich machte dicß der Umstand, daß die Pfortebeständig verschlossen war und Niemand ohne Hülfe desThorwärtcrs hinaus konnte. Er hatte zwei Schlüssel.Einen führte er immer bei sich; der andere hing in seinemStübchen an einem Nagel, und seine Frau öffnete damitdas Thor, wenn er selbst nicht zugegen war.
Ich brauchte den alten Mann oft in meinen Angelegen-heiten zum Boten. Es kam ihm daher gar nicht wunder-bar vor, als ich ihm setzt ein auswärtiges Geschäft über-trug , dessen Ausrichtung wenigstens anderthalb Stundenerforderte. Indem er sich dazu reisefertig machte, »ahmich den Zwlllingsbruder des Thcrschlüsscls, der ihn überallbegleitete, von der Wand und versenkte ihn behutsam indes Alten geräumige Rocktasche. Meine ehrliche Hand zit-terte bei diesem Schelmenstreiche; doch die abendliche Dun-kelheit des Stübchens ließ ihn vollkommen gelingen. MeinGeschäftsträger ging richtig mit beiden Schlüsseln fort.
Ich machte mich nun geschwind vom Thore weg undstellte mich oben im Schlosse an ein Fenster, das in denHof ging. Kaum war ich da, so stapelte der Kapellmci-