Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

guten Pfarrers, deren er nur zwei oder drei znr Probegehört hatte, viel z» lau und gemein. Er predigte bis-weilen selbst, wenn reisende evangelische Bruder, oder so-genannte Stille im Lande bei ihm cinsprachcn und er ih-nen zu Ehren eine geheime gottesdienstliche Versammlungim Schlosse veranstaltete-

Bei solchen Feierlichkeiten duckten und schmiegten sichdie drei Heuchler, die sich zum Schein als Verehrer undMitglieder der Serie betrugen, in den heiligen Kreis mithinein, und waren sogar frech genug, de» Rednerstuhl zubesteigen. Aber ungeachtet ich mich zu dergleichen elendenKunstgriffen niemals erniedrigte, war mir dennoch derFürst eben so gewogen, als ihnen, und bewies mir invielen Fällen ein ausgezeichnetes Vertrauen, dessen sie vonihm nicht gcwürdiget wurden. Darum war ich ihnen einDorn im Auge. Sie stichelten, um mich zu verketzernund zu verdrängen, oft bei der Tafel auf Mensche» ohneReligion, und schielten dabei nach mir; doch der hochher-zige Fürst nahm von diesen und andern verblümten Redenkeine Kenntniß.

Mir waren die stumpfen Pfeile, die während der Mahl-zeit nach mir flogen, um so weniger empfindlich, da ichimmer zu gleicher Zeit Helenen sah und mich manchesholden Blickes erfreute. Aber jeder Möglichkeit, uns ein-mal unter vier Augen zu sprechen, beugte Frau von Bär-wald, als Ehrcnhüterin des Fräuleins, sorgsam vor. Ichhielt mich denn auch von selbst in meinen Schranken. DieKluft zwischen einem Privatsekrctär »nd der Nichte einesFürsten war zu groß. Meine Leidenschaft lauschte still amRande, ohne einen Sprung hinüber zu wagen. Jenseitsstrahlte mir Helene, wie man den Mond und die Sterne