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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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So ließ mich die gestrenge Frau den ersten Druck derDienstbarkeit empfinden. Ich hätte gern das lästige Jochauf der Stelle wieder abgeschüttclt; doch Helcncns Nähestärkte mich, cs geduldig zu tragen. Der Fürst selbst gingsehr sanft und wohlwollend mit mir um. Ich ward erstam folgenden Morgen zu ihm gerufen, und als er mireinen kurzen Aufsatz in die Feder gesagt und ich ihm einehalbe Stunde lang vorgclcsen hatte, waren meine Amts-gcschäfte für diesen Tag abgctha».

Bei der Tafel sah ich Helenen, aber auch die stolzeTante und die drei Herren, mit welchen ich Tages zuvorHändel gehabt hatte. Die letztem thaten, als kennten sicmich nicht mehr; und sie selbst erschienen so ganz verän-dert, daß auch ich sic beinahe nicht wieder gekannt hätte.Die gestrigen Wüstlinge waren heute scheinheilige Kopf-hänger, und gossen über jeden Gegenstand des Tischge-sprächs eine moralische Brühe, die sic mit biblischen Sprü-chen und Licderverscn würzten.

Der Fürst, dem sic sich durch diese Frömmelei empfehlenwollten, war kein Gleißner, wie sie: er war ein Bieder-mann von wahrem, gotlesfürchtigcm Sinn »nd Wandel;aber freilich ein frommer Schwärmer und Anhänger derherrnhuthischen Brüdergemeine. Die Werke des GrafenZinzendorf und seiner Glaubensgenossen waren dahergewöhnlich die Bücher, aus welchen ich verlesen mußte.Doch erquickte sich der Fürst nicht an diesen allein: er be-saß noch eine bedeutende Sammlung von ältern übersinn-lichen Schriften, deren Verfasser sich eines unmittelbarenvertrauten Umgangs mit Gott und Geistern rühmten.Auch diese Mystiker wurden oft in den Lesestunden zurHand genommen. Aber die Kirche besuchte der Fürst nie.Seine kühne Einbildungskraft fand die Predigten meines