Ich bedeutete ihn, daß er dem wackern Geistlichen durchAndichtnng eines solchen BcwcgungSgrundcs sehr Unrechtthue. Er wies aber meinen Widerspruch mit Gelächterzurück und versicherte, daß er sich über mein Glück, meindoppeltes Glück, aufrichtig freue. Denuoch brummte er,als er mit einem Druck der Hand von mir Abschied ge-nommen hatte, die Treppe hinab: „Wenn sich doch derPfaff in solche Dinge nicht mengte !" — Dann lief erhastig nach dem Schlosse hin und hieb mit dem Stockeins Straßenpflaster, daß Kies und Funken umherflogen.
Der Pfarrer hatte mich ans den Mittag zu Tische ge-beten, und ich aß bei ihm, weil ich nicht gleich bei derfürstlichen Tafel meine Antrittsrolle spielen wollte. Frie-derike, die indessen meine Bekanntschaft mit Helenen vonihrem Vater vernommen hatte, war kleinlaut und nieder-geschlagen. Sie vermied, von Helenen zu sprechen, undauch ich that der kleinen Eifersüchtigen den Gefallen, desFräuleins von Arcnhain nicht zu erwähnen. Das beru-higte sie nach und nach, und am Ende ward sic wiederganz heiter, als ich beim Abschiede versprach, ihr Hausso oft zu besuchen, als cs meine Dienstgeschäste erlaubenwürden.
Gegen Abend hielt ich mit einem Knaben, der meinenMantelsack trug, meinen Einzug im Schlosse. Ich wardbei der Frau Oberaufsehcrin gemeldet. Sie ließ michlange warten, ehe sie mit einem Bund Schlüssel erschien,und mir ohne Wort und Laut winkte, ihr zu folgen. „Dasist die Schreiberwohnung!" sagte sie, indem sie zwei artigeZimmcrchen aufschloß. Ich rückte mit meinem Mantclsackein. „Ist das die ganze Bagage?" fragte sie hohnlächelnd,und indem ich antworten wollte, daß man zu Pferde nichtviel fortbringen könne, eilte sie hinweg, ohne mich anzuhören.