Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
328
Einzelbild herunterladen
 

-»S 328 <T»-

ich, die Augen aufs Buch geheftet, nicht wahrnehmcn konnte,mit leise» Schritten ins Zimmer. Kurz nachher gab mirder Fürst ein Zeichen, im Lesen ciuznhaltcn. Ich sah michum, und hinter mir stand Helene.

Sie erhob mit Erstaunen die Hände. Ich aber crschrackvor Freude so, daß ich den ehrlichen Jakob zu Boden fal-len ließ.

Der Fürst schüttelte ein wenig den Kopf, nahm mirdas Buch, das ich schnell aufhob, aus der Hand und legtees, nach einer sanften Berührung mit den Lippen, aufden Tisch. Dann sah er mich und Helenen an und fragte:Was ist Ihnen?"

Gnädiger Herr Oheim," antwortete sie,es überraschtmich, den wackcrn Mann hier zu finden, der mich, wieich Ihnen erzählt habe, in jenem Städtchen, wo unserAhnherr begraben liegt, vor dem Anfall eines wüthendenHundes schützte, und den ich für die Rettung meines Le-bens nur mit einer Rose belohnen konnte."

Wunderbare Fügung des Himmels!" rief der Fürstund faltete die Hände.Es war eine brave That, derenVergeltung ich übernehme. Vorläufig ernenne ich Sie,Herr Walland, zu meinem Sccrctär, mit dem bei mirgewöhnlichen Gehalte von sechshundert Thalern und freierWohnung und Kost."

Was fragte ich nach Geld und Kost? Mich berauschtedas Glück, daß ich künftig mit Helenen unter Einem Dachewohnen sollte, und ich hatte Mühe, meine stürmische Freudezu zügeln. Doch ich mäßigte mich und nahm mit ehrba-ren Worten die Bestallung an. Auch Helene dankte demOheim, daß er ihre Schuld abtragcn wolle. Ich empfahlmich dann, um die nöthigcn Einrichtungen zum Antrittmeines Acmtchens zu treffen.