welchem er ihr den Erkennungsring zugcsandt hatte: aberdie Stelle der Namensuntcrschnft vertrat ein fluchtigerFederzug, der sich nicht enträthseln ließ. Wichtiger warmir daher ein dabei liegender Beutel mit Gold, der michmit Reisegeld versorgte, und in den Stand setzte, ein Reit-pferd zu kaufen.
Meine Mutter war, als sie hcirathete, mit mir aus demsüdlichen Deutschland gekommen. Daraus schloß ich, daßmein Vater dort wohne; und dahin zu ziehen, war mirerwünscht, weil ich ans dieser irrenden Nittcrfahrt auchHelenen zu finden hoffte. Getrost nahm ich also meinenWeg nach Süden, und ritt von Schloß zu Schloß, woein Graf wohnte, der seinem Alter nach mein Vater scynkonnte. Ich meldete mich als ein Mann, der einen kost-baren Ring zu verkaufen habe. Man ließ mich überallvor; aber nirgend bemerkte ich bei Vorzeigung diesesKleinods eine Veränderung im Gesichte der Grafen. Deß-wegen bot ich allenthalben meinen Ring, um ihn gewißzu behalten, für viertausend Thaler an, und da zerschlugsich der Handel sogleich mit Hohlflächen.
Nach Helenen forschte ich umsonst. Die Rose, die sicmir schenkte, war mein liebstes Eigenthum. Ich führte siein der Brieftasche mit mir herum und küßte sie so gern,daß ich mir es ernstlich verbieten mußte, um sie nicht zuzerstören.
Als ich ungefähr vierzehn Tage lang ins Kreuz und indie Quere gezogen war, traf ich in einem Gasthausc, woich über Nacht blieb, einen jungen Mann, der sich Ri-chard nannte und ebenfalls eine Reise zu Pferde machte.Einander gefallend, wurden wir einig, den folgenden Tagunsere Klepper ruhen zu lassen und uns in der schönenGegend zu vergnügen. Wir tranken beim Abendessen einen
Langbcin'S sämmtl. Schr. XVI. Bd. 21