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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
318
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Der entwendete Ring

Im Begriffe, die Akademie zn verlassen, beritt ich nocheinmal die Gegend, um von ihr Abschied zn nehmen. Ichkam in ein Städtchen, wo ich zn Mitkage essen wollte.Hier stand ein Ncisewagcn mit vier Pferden bespannt vordem Gasthofe, aus dessen Thur eben zwei Damen hcrans-tratcn. Die eine, ungefähr siebzehn Jahre alt, war engel-schön; die andere hochbctagt und stolz von Mienen undGeberden. Sie gingen nach der Stadtkirchc, die ihnender Küster, den sie hatten rufen lassen, anfschloß. Ichschlich mit hinein. Sie fragten nach der Ruhestätte einesRitters der Vorzeit, der in der Kirche begraben ftp. DerKüster führte sie ans den freien Platz vor dein Altäre undzeigte ihnen euien Grabstein, auf welchem ein Ritter inLebensgröße abgebilret war. Die Matrone hielt ihm einefeierliche Standrede, wobei der ehrerbietige Zuhörer, derKüster, fleißig mit dem Kopfe nickte. Indessen kniete daSschöne Mädchen, das ich Helene nennen hörte, am Grab-mahle nieder, sprach mit gefaltete» Händen ein leises Ge-bet, küßte dann den Mund des steinernen Mannes, undlegte sanft eine Rose auf seine Brust.