Modestus sah sich um, und goß plötzlich, von Zaubcr-macht gezwungen, seiner angebeteten Gönnerin den vollenWcihkcsscl ins Gesicht. Mit Entsetzen über sich selbst, fieler ans die Knie und bat uni Gnade. Dann sprang errasch wieder ans, ergriff den Sprengwedel, schlug heftigdamit auf sie los, bat dcmüthig um Verzeihung, schlugin demselben Augenblicke noch derber zu, und jagte sie sounter abwechselnden Streichen und Komplimenten durch'shalbe Schloß und zum Thore hinaus. Jetzt aber wandtesich das Blatt. Sabine, deren Zunge und Hände bisherein Zanberband gefesselt hatte, bekam beide wieder frei,und nun hetzte sie mit allen erdenklichen Schimpfwortenund wuthcnden Faustschlägen den fliehenden Geistlichenim Dorfe hinab.
9.
Als sie von dieser Jagd zurück kam, waren Raimundund Vollrad wieder leidlich ans den Beinen. Wehklagenderzählte sie ihnen, was während ihrer Mittagsruhe vor-gegangcn war, und forderte den Herrn Vollrad dringendans, sich tapfer in den Handel zu mischen. „Ihr habt ammeisten dabei zn befahren!" sagte sie: „Denn werden wirdas Unkraut, den Albert, nicht balv aus dem Hanse los,so entführt er Euch, trotz Schlössern und Riegeln, dieBraut. Langmantcl ist sein Spießgcsell; mehr sag' ichnicht." —
„Donner und Hagel, sie hat Recht, Bruder Raimund!"rief Vvllrad. „Aber wär' ich auch Roland oder der großeChristoph, so könnt' ich allein nichts ausrichten. Ruf'deine Leute zusammen und wappne sie, so will ich michan ihre Spitze stellen und den Strauß wagen."
Lnngbein'S sämmtl. Schr. XVI. Bd. 17