Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

234

So ging das Spotten nnd Schmähen fort, und Lang-mantel, der verborgen lauschte, bekam mitunter selbst einenHieb. Endlich ward ihm die Sache zu arg. Er schlichunsichtbar an die Thür und spritzte Sabinen durch's Schlüs-selloch einige Wasserstrahlen ins Gesicht. Sic sprudeltewie eine gebadete Katze, rannte fluchend davon, nnd esschien, als hätte sie alle Lust zu neuen Angriffen verlo-ren, Da sie jedoch dem Burgherrn ihr Wort gegebenhatte, seinen verhaßten Vetter aus dem Hause zu jagen,so kam sie nach einer halben Stunde zurück, schimpfte tol-ler als zuvor, und war allenfalls eines nochmaligen Au-genbades, das sie nicht achten wollte, gewärtig. Jetztaber schoß aus dem Schlüsscllochc ein feuriger Schwärmerheraus, zündete ihre Haube an, und mit brennendem Kopfestürzte sic, von ihm verfolgt, nach der Küche, wo dieFeuersbrunst ohne weitern Schaden gelöscht wurde.

Doch erloschen war nun auch Sabinens Muth, sich demgefährliche» Schlüffellochc, das Wasser und Feuer spie,wieder zu nahen. Ueberdicß hatte sie, da cs indessen Mit-tag geworden war, alle Hände voll zu thun, die heftigeEßlust der beiden Ritter zu befriedigen, indem schon meh-rere Eilboten den Befehl gebracht hatten, daß ohne Ver-zug aufgctragcn werden solle.

Ein Vorgericht von geringer Bedeutung ging glücklichnach dem Speisezimmer ab. Als ihm aber die Kronedes Mahls, ein köstlicher Rehbraten, Nachfolge» sollte, ver-schwand er plötzlich sammt der Schüssel vom Küchen-tische. Längst hatte Langmantel unsichtbar darauf gelauertund brachte den Raub seinem Schützling.

Sabine schrie, daß man cs in der ganzen Burg hörte.Die tafelnden Ritter sprangen ans und erblaßten, als siedas Unglück vernahmen. Besonders Herr Vollrad, ein