Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
208
Einzelbild herunterladen
 

-o§> 208 <§-c>-

--

'«8

- 2

>»

'? 7 '

s- ^

'

' V

Die Gesellschaft war sehr lustig. Selbst die jungen Damenbetrugen sich gegen ihre schmachtenden Schäfer freundlichund hold. Sie glaubten sich dadurch nichts zu vergeben,und dachten: Wenn sich der reiche Freier aus Stambulmelde, würden die armen Junkerchcn ohnedem zurücktre-ten müssen.

Die Tafel war fast zu Ende und der Nachtisch schonaufgetragen.

Da stürzte plötzlich ein LakaiHerein zur Thüre mit Geschrei:

Es sey ein türkischer Gesandter angekommen.

Er bitt' um Audienz bei Fräulein Julien,

Josephen und Ennlien,

Und habe schon im Vorsaal Platz genommen."

Man staunt, springt von den Stühlen auf;

Die Fraulein zittern, halb vor Schrecken, halb vor Freude,Und eilen, wie im Werrelauf.

Ans Fenster. Sieh, da steht zu ihrer AugenweideEin ungeheures PrunkgebaudeVon einem Wagen vor der Thür,

Mit Nerslgen in Türkenrracht umgeben.

Jvsephens Vater ruft verwundernd aus:Was wirNicht unterm Monde noch erleben!

Ein schweres Narhsel ist es nnr,

Was will des Sultans Bote hier?

Wir muffen ihn mir allen EhrenEmpfangen und den Antrag Horen.

Führt ihn herein!"

Auf dieses Wort

Flog stracks der Diener wieder fort,

Und drauf erschien der Herr Gesandte,

Ein alter Muselmann, mit langem, grauem Bart.

An seinem Turban und GewändeWar Gold und Silber nicht gespart.

Ihm folgt' ein Dragoman, * und wieder

* Dolmetscher.