es ihm höchst bedenklich, ob nicht dieser Brief wohl gareine landcsvcrrätherische Corrcspondcnz enthalte? Der da-malige Türkcnkrieg veranlaßtc diese lächerliche Mutmaßung,und der gewissenhafte Postbedicnte äußerte sie gegen seine Kol-legen. Einer unter diesen kannte das Eichcnlohischc Wappen.Herr von Eichcnloh, der Einzige dieses Namens in Wien,stand allgemein in einem so guten Rufe, daß man ihnkeines Hochverrats fähig halten konnte. Man beschloßdaher, ihm den Brief zu zeigen, und solchen alsdann,wenn Hand und Siegel richtig befunden würden, ohneweiteres Bedenken abgehcn zu lassen.
Der Herr mit der zerquetschten und entpndertcn Atzelmachte sich in dieser Absicht auf den Weg-. Eichenlohkannte mit dem ersten Blick die Handschrift seiner Tochter,erbrach den Brief und lachte laut. Der Ucberbringer,dem er einen Dukaten in die schon dazu gekrümmte Handdrückte, fragte nun nicht weiter nach der Bewandtniß derSache, sondern empfahl sich mit einem so tiefen und unter-tänigen Bückling, daß seine Perücke beinahe zum zweitenMal den Staub der Erde geküßt hätte.
Eichenloh war sehr vergnügt, daß er nun die eigentlicheQuelle des Widerwillens seiner Tochter gegen das Hei-raten gefunden hatte. Er theilte die gemachte Entdeckungden Aeltcrn der zwei andern eingebildeten Snltaninncnmit, und man überlegte gemeinschaftlich, wie man dieGrillen der einfältigen Kinder ans die klügste Art undWeise vertreiben könnte. Indessen ahndeten die Fräuleinnicht einmal das Schicksal ihres Briefs.
Qhngefähr zwei oder drei Monate darauf verabredetendie drei Familien eine Lustfahrt, und luden auch die dreiFreier, die immer noch geduldig in Wien hofften und harr-ten, dazu ein. Man speiste Mittags ans dem Lande.