Der Beinbruch
Bonnard erschien Vormittags allezeit und überall alsein artiger und liebenswürdiger junger Mann, Nachmit-tags und Abends aber nicht immer. Er war in Rücksichtder den alten Germanen so oft vorgeworfenen Liebe zumTrunk, ein eifriger Deutscher, und kannte kein süßeresVergnügen, als die beliebten Lieder: Genießt den Reizdes Lebens! und: Bekränzt mit Laub den lieben, vollenBecher! in lustiger Gesellschaft zu fingen und eine FlascheWein dabei auszustechen. War' es nur bei einer geblieben,so würde Niemand etwas dagegen gehabt haben, da esseine Einkünfte erlaubten. Allein es hieß immer: Mansteht nicht auf einem Beine, und: Aller guten Dinge müs-sen drei seyn. Oft wußte er sogar die vierte, fünfte undsechste Flasche mit dergleichen Sprüchwörtern und Beweis-stellen zu belegen.
Seine Mutter und Geschwister, mit denen er noch ge-meinschaftlich zusammen wohnte, hatten fast jede Nachtden Kummer, ihn bezecht nach Hause kommen zu sehen.Ihre dringendsten Vorstellungen blieben fruchtlos, und fiefingen bald an, seine Völlerei für unheilbar zu halten.
Eben so dachte Laura, Bonnards Geliebte. Nach un-zähligen kleinen Zwisten darüber, kam es endlich zwischen