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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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war dadurch schüchtern, und wenigstens unter den Augenihres Vaters, der sich aus Vorsicht immer zu Hause hielt,zurückhaltend geworden.

Das wollte Leopolden nicht gefallen. Er suchte nunso oft als möglich sein Mädchen am dritten Ort, im Schat-ten des Waldes oder sonst wo zu sprechen, und Heinrichenwar nicht tanh, wenn er sic um ein geheimes Stelldich-ein bat.

Einsmals hatten sie eine Zusammenkunft im Wäldchenverabredet. Hainichen war früher da und saug ein Lied-chen zum Zeitvertreib. Der ankommende Junker hörtenur noch die letzten Töne.

Leopold. Schon da, liebes Mädchen! Was sangdenn meine kleine Nachtigall?

Hannchen. Ich und eine Nachtigall! Der gestrengeHerr belieben zu spotten.

Leopold. Wie Du mir nun wieder Unrecht thust!Ich höre Dich wahrlich lieber , als alle Nachtigallen inder Welt. Nur dann ist mir Deine süße Stimme weni-ger angenehm, wenn sie die häßlichen, eiskalten Worte:Gestrenger Herr! ausspricht. Nenne mich nicht mehr so,nenne mich Leopold!

Hannchen. Wie würde das in meinem Munde,in dem Munde eines so armen Mädchens klingen? Nein,ganz will ich doch den Abstand zwischen uns nicht vergessen.

Leopold. Was Abstand! Die Liebe kennt keinen. Sieüberspringt die Klüfte, die Menschen von Menschen trennen.

Hannchen. Und fällt manchmal darüber in den Ab-grund.

Leopold. So? Ich höre schon, Dein Vater sprichtaus Dir. Mit dem Hab' ich über diesen Punkt nichts zureden. Also von etwas andern:! Was sangst Du vorhin?