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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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Geburtsstunde der ersten Liebe. Kaum von einem Ober-herrn befreit, huldigte er einer neuen Macht, die ihm abereine sanftere Behandlung versprach.

Sein Herz war so übervoll von gemischten Empfindun-gen, daß ihm das Zimmer zu enge ward. Er mußtehinaus in die freie Luft.

Schon war cs Abend. Der Lcibfackelträger der Lieben-den, der sanfte Vollmond, leuchtete ihm zu einem em-pfindsamen Spaziergang um's Dörfchen, und ehe er sich'sselbst versah, stand er vor Martin's Wohnung. Dreimalkrümmte er seinen Finger zum Anklopfen; allein eben sooft zog er ihn unverrichteter Sache zurück. Endlich faßteer Muth, und meldete sich durch leises Pochen.

Hannchcn stutzte bei Oeffnung der Thüre nicht wenigüber den vornehmen Besuch. Leopold grüßte sie schüchternund freundlich, und fragte geschwind nach ihrem Vater,um damit zu bemänteln, daß er eigentlich ihretwegen ge-kommen war.

Martin, der bei einem Kruglcin Wasser und schwarzemBrod in der Stube am Tische saß, sprang erschrockenauf, als der Edelmann hineintrat.

Leopold. Bleibt sitzen, Freund! Laßt Euch nicht stö-ren ! Ich wollte nur sehen, wo Ihr wohnt. Ist das EureAbendmahlzeit?

Martin. Ja, gestrenger Herr!

Leopold. Wirklich? Es ist sa Gefängnißkost.

Martin. Freilich wohl. Doch schmeckt sie hier bes-ser, als dort.

Leopold. Warum erquickt Ihr Euch aber nicht nachso langem Fasten durch bessere Speisen?

Martin. Das verbietet mir meine Armuth.

Langbcin'S sämmtl. Schr. XVI. Bd. 11